Gnadenströme
Gnadenströme aus der hl. Messe, hl. Beichte,
hl. Kommunion und den Leiden


von Pater Bonaventura Blattmann, O.F.M.

Die Druckerlaubnis für das Schriftchen "Gnadenströme" wird hiermit erteilt.
München, 19. April 1934. P. Polykarp Schmoll, Provinzial
Imprimatur: Augustae Vindel, die 4. Maii 1934. Vicarius Generalis: Dr. Eberle.



I. Der Gnadenstrom der heiligen Messe

Jesus: Präge dir, liebe Seele, tief ein, daß die heilige Messe dasselbe Opfer ist, wie das Opfer, das ich am Kreuze meinem himmlischen Vater für die Erlösung der Welt dargebracht habe. Wie das Kreuzesopfer, so ist auch das Meßopfer ein Opfer von unendlichem Werte, weil ich, gleicher Gott wie der Vater und der heilige Geist, mich in jeder Messe dem himmlischen Vater aufopfere.

Die Darbringung und Anhörung der heiligen Messe ist daher von allen guten Werken von größtem Werte. Wie die Sonne heller leuchtet und der Erde mehr nützt als alle Sterne mitsammen, so ist die Darbringung und Anhörung der heiligen Messe mehr wert, als alle guten Werke aller Menschen zusammengenommen. Alle guten Werke sind nur menschliche Werke. In der heiligen Messe aber opferst du meinen Leib und mein Blut, ja mich, den eingeborenen Sohn Gottes selbst auf. Wohne daher, liebe Seele, der Messe bei, so oft es dir möglich ist.

Die heilige Messe ist das erhabenste Anbetungs- und Lobopfer. Gott ist die ewige, unendliche Majestät, der Inbegriff aller Vollkommenheiten, der Herr des Himmels und der Erde. Ihm gebührt unendliche Huldigung, Lob und Preis. Aber kein Geschöpf, nicht einmal Maria, meine liebste Mutter, kann aus sich selbst Gott so anbeten, loben und preisen, wie er es verdient. Nur ich, der Sohn Gottes, kann die Gottheit würdig ehren, loben und preisen und bei jeder Messe bringe ich Gott unendliche Anbetung, Lob und Preis dar, so wie sie ihm gebührt.

Durch das Opfer der heiligen Messe kannst auch du, liebe Seele, der göttlichen Majestät unendliche Huldigung, Anbetung, Lob und Preis darbringen, so oft du ihr in rechter Meinung beiwohnst. O freue dich und bringe Gott eifrig das Anbetungs- und Lobopfer der heiligen Messe dar.

Die heilige Messe ist das vollkommenste Dankopfer. Für die unzähligen natürlichen Gnaden und Wohltaten, deren Gott dich unaufhörlich teilhaftig macht, kannst du nicht so danken, wie es Gott gebührt. Was du aus eigener Kraft nicht kannst, das habe ich möglich gemacht. In jeder heiligen Messe bringe ich mich in höchster Dankesgesinnung meinem himmlischen Vater als vollkommenes Dankopfer dar.

Mit mir und durch mich kannst auch du, liebe Seele, bei jeder heiligen Messe, der du in Dankesgesinnung beiwohnst, in vollkommener Weise Gott danken. Durch mich und mein eucharistisches Opfer bist du so reich geworden, daß du dem himmlischen Vater eine unaussprechlich hohe Gegengabe weihen kannst zum Dank für alle seine Wohltaten. Gegen diesen Dank ist der aller Menschen, Heiligen und Engel wie ein Kerzenlicht gegen die Sonne. Die Dankbarkeit ist aber auch eine herrliche Tugend. Deshalb solltest du Gott nicht bloß bei der heiligen Messe, sondern immer und überall danken.

Die heilige Messe ist das völlig ausreichende Sühne- und Genugtuungsopfer. Die Sünde ist eine unendliche Beleidigung Gottes. Kein Mensch ist imstande, für eine einzige Sünde vollwertige Sühne und Genugtuung zu leisten. Deshalb habe ich mich der Menschheit erbarmt und mich am Stamme des Kreuzes dem himmlischen Vater als Sühne- und Genugtuungsopfer dargebracht. Dieses Sühne- und Genugtuungsopfer setze ich fort in der heiligen Messe.

Durch das Sühneopfer der heiligen Messe wird bewirkt, daß Gott nicht seine strafende Gerechtigkeit walten läßt, sondern sich der Sünder erbarmt und ihnen seine Gnaden nicht entzieht, sondern ihnen reichlichere Gnadenhilfe zufließen läßt, bis die Eiskruste der Bosheit schmilzt.

Die läßlichen Sünden, deren du dich stets von neuem schuldig machst, werden durch das Sühneopfer der heiligen Messe nachgelassen, so oft du ihr reumütig beiwohnst.

Als Genugtuungsopfer bewirkt das heilige Meßopfer die Nachlassung der Sündenstrafen, die du nach Verzeihung deiner Sünden auf Erden oder im Fegfeuer abbüßen müßtest. Dieser Nachlaß der Sündenstrafen ist um so vollkommener, je mehr du von Anhänglichkeit an Sünden frei bist.

Das Genugtuungsopfer der heiligen Messe kannst du auch den armen Seelen zuwenden, ja du kannst ihnen gar keinen besseren Dienst erweisen, als wenn du für sie der heiligen Messe beiwohnst, oder sie für die selben lesen läßt. Inwieweit durch eine heilige Messe die Leiden der armen Seelen erleichtert oder abgekürzt werden, das bestimmt Gottes Weisheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Der sühnewirkenden Kraft der heiligen Messe ist es ganz besonders zuzuschreiben, daß viele wohlverdiente Strafgerichte Gottes aufgehalten oder gemildert oder angehalten werden, die sonst über Länder oder die ganze Welt hereinbrechen würden; denn unzählige Sünden rufen tagtäglich um Rache.

Die heilige Messe ist ein Bittopfer, weil ich, der Mittler zwischen Gott und den Menschen, mich selbst opfere und Fürsprache für die Seelen einlege, indem ich dem ewigen Vater meinen Erlösungstod vorstelle und darbringe. Infolge dieses Bittopfers erlangen die Gläubigen, ganz besonders aber jene Seelen, die andächtig der Messe beiwohnen, unfehlbar alles, was sie in der Heils- und Gnadenordnung nötig haben, insofern die Bitte mit dem göttlichen Willen übereinstimmt.

Die heilige Messe erwirkt dir, liebe Seele, auch viele zeitliche Wohltaten, Segen für deinen Beruf, Trost. Mut, Hilfe in deinen Nöten. Da du aber nicht weißt, was dir zum Heile dient, so füge deinen zeitlichen Bitten stets die Bedingung bei: "wenn es Gottes Wille ist," "wenn es zum Heile dient". Auf jeden Fall ist gewiß, daß du in allen Anliegen am sichersten Erhörung findest, wenn du bei der heiligen Messe deine Bitten mit meiner Fürbitte vereinigst, denn durch mein Opfer werden sie sicherer, eher und vollkommen erfüllt.

An den Früchten der heiligen Messe haben im allgemeinen alle lebenden und verstorbenen Gläubigen Anteil. Ein großer Teil der Frucht der heiligen Messe kommt dem Zweck zu, für den der Priester die Messe darbringt. Den größten Anteil an den Früchten der Messe hat der Priester, der sie würdig und andächtig darbringt. Nach dem Priester aber nehmen jene Gläubigen, die der heiligen Messe andächtig beiwohnen, die reichsten Früchte in Empfang.

Ferner wird auch derjenige der Früchte der heiligen Messe teilhaftig, der sie lesen läßt und endlich alle, die dem Willen und Verlangen nach der heiligen Messe beiwohnen.

Eine der vorzüglichsten Früchte, die du, liebe Seele, bei der Anhörung der heiligen Messe erlangst, ist die größte Vermehrung der heiligmachenden Gnade und der himmlischen Herrlichkeit. Je "besser ein Werk ist, desto größere Vermehrung der heiligmachenden Gnade bewirkt es. Die heilige Messe ist das vorzüglichste Werk, deshalb erlangst du durch die Teilnahme an ihr die größte Vermehrung der heiligmachenden Gnade.

Durch andächtige Beiwohnung der heiligen Messe gewinnst du den größten Zuwachs an Tugendschmuck, weil du die größte Zahl hervorragender Tugenden übst.

Ferner wirst du durch gute Anhörung der heiligen Messe, am meisten mit Verdiensten bereichert, weil du die allerheiligste Dreifaltigkeit durch die größten guten Werke erfreust. Du bringst ihr dar die Anbetung, das Lob, den Dank, den ich, der Sohn Gottes ihr darbringe. Durch mich leistest du ihr auch Sühne für deine und der Menschheit Sünden. Du übst die größte Barmherzigkeit an den Sündern, wenn du ihnen die Sühnewirkung der heiligen Messe zuwendest. Ebenso erweisest du die größte Wohltat den armen Seelen, wenn du für sie die Genugtuung aufopferst, die ich bei der heiligen Messe leiste.

Durch eifrige Anhörung der heiligen Messe erlangst du reichliche Gnadenhilfe zur Erfüllung deines Berufes, zur Übung guter Werke und zum Sieg über die Versuchungen und teuflischen Nachstellungen.

Endlich gewährt dir die häufige Anhörung der heiligen Messe in der Todesstunde die sichere Hoffnung eines gnädigen Gerichtes, eines kurzen Fegfeuers und einer großen himmlischen Herrlichkeit.


Wie sollst du der heiligen Messe beiwohnen?

Hochwichtig ist vor allem die Absicht, die Meinung, in der du ihr beiwohnst, In jeder Messe opfere ich mich, wie einst am Kreuze, im Namen aller und für alle Seelen dem himmlischen Vater auf. Folge auch du, liebe Seele, meinem Beispiel und wohne der heiligen Messe im Namen aller und für alle Seelen bei. Tust du das, dann bringst du durch mich im Namen aller und für alle Seelen, auch für die Millionen, die der heiligen Messe fernbleiben, der heiligsten Dreifaltigkeit Anbetung und Lob, Dank, Sühne, Genugtuung und Bitte dar. Die Wirkung einer solchen Opferteilnahme ist groß und Gottes Barmherzigkeit wird niedersteigen auf alle.

Bei Anhörung der heiligen Messe ist vor allem wichtig, daß du an der Opferhandlung des Priesters teilnimmst. Am vollkommensten geschieht das, wenn du die Meßgebete mitbetest. Sehr gut ist es aber auch, wenn du bei den einzelnen Teilen beherzigst, was geschieht und entsprechende Akte erweckst. .Bei der Opferung opfere mit dem Priester die Opfergabe und dich selbst auf. Bei der Wandlung opfere durch den Priester dem himmlischen Vater meinen heiligsten Leib und mein kostbares Blut auf und bete mich ehrfurchtsvoll an. Wenn du bei der heiligen Kommunion nicht wirklich kommunizierst, so empfange mich wenigstens geistigerweise. Gut ist es auch, wenn du bei der heiligen Messe mein Leiden betrachtest; doch beachte die Hauptteile.

Werden zur gleichen Zeit mehrere heilige Messen gelesen, so mache die Meinung an allen teilnehmen zu wollen und achte auf den Gang der einzelnen, einer Messe aber wohne vollkommen bei.

Heilige Messen lesen zu lassen ist sehr verdienstlich, weil du an den bestellten Messen Anteil hast. Weil aber für die angegebenen Meinungen selten alle Wirkungen des heiligen Meßopfers aufgebraucht werden, rate ich dir, bei Bestellung einer Messe die Meinung zu machen, daß die Wirkungen der heiligen Messe, die für den angegebenen Zweck nicht nötig sind, dir selbst zukommen sollen.

Nachdem du, liebe Seele, den unermeßlichen Wert, die unabsehbaren Wirkungen und kostbaren Früchte der heiligen Messe kennen gelernt hast, wirst du einsehen, daß keine Stunde des Tages kostbarer ist, als die, in der du der heiligen Messe beiwohnst. Die Stunde der heiligen Messe ist wahrhaft eine goldene Stunde, weil durch die heilige Messe dein ganzes Tagewerk in Gold von ewigem Werte verwandelt wird. Durch die Anhörung der heiligen Messe nimmst du in der Liebe und Gnade Gottes zu; und deshalb hat alles, was du tagsüber tust, einen unvergleichlich größeren Wert, als wenn du der heiligen Messe nicht beigewohnt hättest. Nimm dir deshalb fest vor, täglich der heiligen Messe beizuwohnen.

Ist es dir aber tatsächlich unmöglich, der heiligen Messe beizuwohnen, so nimm wenigstens dem Wunsch und Verlangen nach an ihr teil. Ja ich rate dir, die Meinung zu machen, täglich an allen heiligen Messen teil nehmen zu wollen. Gott, der dein Verlangen sieht, läßt auch auf dich und dein Tagwerk die Wirkung der heiligen Messe ausströmen.

Wenn du aber leichtsinnig von der heiligen Messe wegbleibst, so fügst du dir einen Schaden zu, der mit keinem irdischen Schaden zu vergleichen ist.



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